lllustrationen zum Blauen Beryll von Sangye Gyamtso (1653-1705 : Tafeln und Text)
von Yuri Parfionovitch, Gyurme Dorje, Fernand Meyer (Redakteure)
Klassische Tibetische Medizin ist die Faksimileausgabe eines auf das siebzehnte Jahrhundert zurückgehenden Satzes von Illustrationen einer berühmten medizinischen Abhandlung. Das hier in Wort und Bild dargestellte komplexe System von Prävention und Behandlung findet seit dem achten Jahrhundert Verwendung und wird in Teilen Tibets, Indiens, Nepals, Ladakhs, Buthans und der Mongolei bis zum heutigen Tage unverändert praktiziert.
Die tibetische Medizin wäre wohl für immer im Bereich des Verborgenen geblieben, hätte nicht Sangye Gyamtso (1653-1705), Regent des Grossen Fünften Dalai Lama und Gründer der berühmten medizinischen Klosteruniversität Chagpori in Lhasa, diese komplexe und vielschichtige Weisheit zu einem kohärenten Wissensgebäude zusammengefasst. Die Wurzeln dieses reichhaltigen Systems von Diagnose und Behandlung sind in 77 brillianten, farbigen Bildern von grosser Detailfülle eingefangen, die seine berühmte Abhandlung illustrieren. Sie bilden den Mittelpunkt dieser exquisiten Ausgabe. Es handelt sich um die exakten Repliken der zwischen 1687 und 1703 entstandenen original Illustrationen der Abhandlung Blauer Beryll. Man weiss von zwei Sätzen dieser Abbildungen, die im chinesisch besetzten Tibet intakt geblieben sind, der vollständigste jedoch, der sich hier reproduziert findet, kam erst kürzlich ausserhalb der Grenzen Tibets ans Licht. Die siebenundsiebzig Bilder wurden nahe des Baikalsees in Südsibirien im Buryat-Museum in Ulan Ude, Buryatien, gefunden.
Von allen alten ursprünglichen medizinischen Traditionen hat einzig die tibetische eine vollständige visuelle Dokumentation für die Ausbildung von Ärzten hervorgebracht. Sangye Gyamtso verfasste seine Abhandlung Blauer Beryll als definitiven Kommentar eines alten Textes, mit dem Titel Vier Tantras der Medizin. Sie wurde bald zum Handbuch und aide-mémoire für viele Generationen tibetischer Ärzte.
Die grossen Farbtafeln (35x43) wurden von Künstlern geschaffen, die in mehr als 10’000 Einzelbildern die vielfältigen Themen, Merkmale und Eigenschaften tibetischer Medizin darstellten. Von detailgenauen Zeichenserien, in denen die Diagnose und Behandlung von Krankheiten dargestellt ist, bis hin zu genauesten anatomischen Karten, präsentieren die Bilder auch eine weite Bandbreite an Substanzen - tierischer, mineralischer und pflanzlicher Herkunft -, die in der Zubereitung von Medikamenten verwendet werden, und behandeln Bereiche wie Traumdeutung, Embryologie, Sexualität und verdeutlichen die Notwendigkeit einer Präventivmedizin. Trotz wachsendem Interesse des Westens an östlichen Formen der Heilkunst ist die tibetische Medizin, eine tausendjährige Tradition, die aus einem weiten Bereich sich überschneidender Kultureinflüsse entstanden ist, bis heute relativ unbekannt geblieben.
Ein Vorwort des Vierzehnten Dalai Lama, eine Einführung, Zusammenfassungen der Abhandlung Blauer Beryll sowie die Übersetzung der tibetischen Bildinschriften selbst setzen die Faksimiles in den Gesamtzusammenhang.
168 + 172 Seiten, 77 Farbtafeln, 77 s/w Tafeln, gebunden, 2 Leinenbände in Schmuckschuber
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